Wissenssicherung von A bis Z · Teil 2/16: Der erste Griff zum Mikrofon

Im ersten Teil ging's darum, wo Wissen in unseren Unternehmen wirklich steckt: nicht in Ordnern, sondern in den Köpfen der Leute. Heute geht's um den ersten Schritt, wie man es da rausholt. Und der ist viel kleiner, als die meisten denken.
Kein Projekt. Kein Workshop. Kein „wir setzen uns mal zusammen und dokumentieren das sauber". Sondern: Handy raus, Sprachmemo an, drei Sätze reinsprechen. Fertig.
Das ist der ganze Trick. Wissen verschwindet nämlich nicht, weil niemand es aufschreiben wollte. Es verschwindet, weil die Hürde zum Aufschreiben zu hoch war. Wer schon mal versucht hat, nach Feierabend eine ordentliche Anleitung zu tippen, weiß: Das passiert nie. Man ist müde, man hat anderes zu tun, und der Gedanke verpufft.
Aber kurz draufsprechen, wie man gerade dieses eine Problem beim Kunden gelöst hat, warum man diesen Lieferanten genau so und nicht anders behandelt, welcher Kniff bei dieser einen Maschine hilft – das dauert eine Minute. Das ist kein Projekt, das ist ein Reflex. So wie man sich früher eine Notiz auf einen Zettel gekritzelt hat, nur dass man jetzt nicht mal die Hand frei haben muss.
Ich sag das bewusst so unaufgeregt, weil ich weiß, wie schnell man bei dem Thema Wissenssicherung in große Systeme und Konzepte abdriftet. Genau das will ich hier nicht. Man muss den Laden nicht überfordern und nicht überfallen. Man braucht keine fertige Struktur, bevor man anfängt. Die Struktur kommt später – darum geht's im nächsten Teil.
Erstmal geht es nur darum, dass das Wissen überhaupt irgendwo landet, bevor es mit dem Mitarbeiter in den Feierabend oder mit der Erfahrung einfach wieder aus dem Kopf verschwindet. Roh, unsortiert, ruhig auch mal krakelig gesprochen. Das ist okay. Wichtig ist nur, dass es aufgenommen wird.
Ich erlebe das in unseren Unternehmen selbst: Die Kolleginnen und Kollegen, die am meisten wissen, haben am wenigsten Zeit, es aufzuschreiben. Genau deshalb muss der erste Schritt so klein sein, dass er in den Alltag passt, statt daneben zu stehen.
Im nächsten Teil schauen wir uns an, wie aus diesem rohen Material – aus all den kurzen Sprachnotizen – tatsächlich eine Struktur wird, mit der man was anfangen kann.
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Recherchiert und im Entwurf mit KI-Unterstützung erstellt, vor der Veröffentlichung von Martin Reichle geprüft und freigegeben. Näheres
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