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Warum eigentlich Hass im Netz?

MR
Martin Reichle
Angewandte KI und digitale Transformation für den Mittelstand
Martin sitzt in der Abendsonne an einem Holztisch auf der Terrasse vor seinem Haus mit Solardach, Kaffeetasse in der Hand, Handy umgedreht daneben. Text: Wort zum Sonntag – Warum nicht einfach in Ruhe lassen?

Ich hab letzte Woche einen Beitrag geteilt. Ganz unspektakulär eigentlich: wie ich bei mir PV-Strom erzeuge, wie ich ihn speichere, wie ich ihn günstig ziehe und übers bidirektionale Laden wieder ins Haus zurückholen will. Technik-Thema, bisschen Stolz vielleicht, dass es läuft.

Viele Kommentare waren gut, haben sich gefreut, nachgefragt, mitgedacht. Und dann waren da eben auch die anderen. Direkt persönlich beleidigend. Leute, die sich an irgendwas abarbeiten, das mit PV-Strom und Batteriespeicher eigentlich gar nichts zu tun hat.

Mit dem Eindruck bin ich nicht allein. Laut der Studie „Lauter Hass – leiser Rückzug“ wurde fast jede zweite Person in Deutschland online schon einmal beleidigt. 57 Prozent äußern deshalb seltener ihre politische Meinung im Netz, 55 Prozent beteiligen sich seltener an Diskussionen, und knapp ein Viertel hat sein Profil sogar deaktiviert oder gelöscht. Das ist für mich der eigentliche Schaden: Es gewinnen nicht die Lauten, es verschwinden die Leisen.

In unserer Familie hatten wir einen ähnlichen Fall. Da wurden Fake-Bilder erzeugt und geteilt. Man kann sich wehren, Anzeige erstatten, Organisationen suchen, die unterstützen. Aber der Stich, der einmal in die Welt gesetzten Unwahrheit, der bleibt. Den holt man nicht mehr zurück, selbst wenn man am Ende recht bekommt.

Ich verstehe nicht, warum wir uns nicht einfach gegenseitig in Ruhe lassen können. Warum man die Meinung des anderen nicht einfach stehen lassen kann, auch wenn man sie nicht teilt, statt gleich persönlich zu werden.

Was man tun kann, ist gar nicht so kompliziert. Nicht auf jede Provokation einsteigen. Beleidigungen melden, festhalten und, wenn sie strafbar sind, anzeigen. Betroffene müssen das nicht allein durchstehen, HateAid zum Beispiel hilft dabei. Und nicht wegschauen, wenn es andere trifft. Die Telekom macht dazu seit Jahren Kampagnen gegen Hass im Netz, die aktuelle heißt „Augen auf“, unter anderem mit ichbinhier e. V., wo Menschen sachlich und freundlich gegenhalten. Genau das finde ich richtig: den Hass nicht stehen lassen, aber auch nicht mit Hass antworten.

Es war übrigens auch einer der Gründe, warum ich X, ehemals Twitter, verlassen habe. Es bestand für mich am Ende nur noch aus Hetze und sehr viel Bot-Steuerung.

Was würde sich ändern, wenn jeder vor dem Absenden eines Kommentars kurz überlegt, ob er das auch so sagen würde, wenn der andere direkt vor ihm steht?

Ich wünsch euch einen ruhigen Sonntag.

Quellen: Studie „Lauter Hass – leiser Rückzug“, Kompetenznetzwerk gegen Hass im Netz (Das NETTZ, GMK, HateAid, Neue deutsche Medienmachende), Februar 2024 · Deutsche Telekom, Kampagne „Augen auf“, Juni 2025

Zuerst erschienen auf LinkedIn → zum Original

Recherchiert und im Entwurf mit KI-Unterstützung erstellt, vor der Veröffentlichung von Martin Reichle geprüft und freigegeben. Näheres

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