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Schon wieder Oktober? Warum die Zeit mit dem Alter zu rasen scheint

MR
Martin Reichle
Angewandte KI und digitale Transformation für den Mittelstand
Martin Reichle steht lächelnd im Karohemd an einem Seeufer vor herbstlicher Bergkulisse, darüber die Texte „Wort zum Sonntag" und „Schon wieder Oktober?".

Schon wieder Oktober.

Ich sitze hier und mit dem Kopf stecke ich ehrlich gesagt noch im Frühjahr. Keine Ahnung, wo die Monate hin sind.

Das ist offenbar kein Einzelfall. Die Zeitforscher Wittmann und Lehnhoff haben Leute zwischen 14 und 94 Jahren befragt, und tatsächlich: ältere Erwachsene haben eher das Gefühl, dass die letzten zehn Jahre schneller vergangen sind als jüngere. Der Unterschied ist nicht riesig, aber er ist da. Eine Erklärung dahinter: Neues und Emotionales hinterlässt mehr Erinnerungsspuren. Routine hinterlässt kaum welche. Und je älter man wird, desto mehr hat man schon gesehen, desto mehr läuft im Autopiloten. Weniger Neues heißt weniger Anker im Rückblick — und dann fühlt sich ein ganzes Jahr an wie ein Wimpernschlag.

Es gibt auch eine andere Erklärung, rein neurobiologisch, von der Duke-Universität: dass unser Gehirn mit dem Alter einfach langsamer Bilder verarbeitet. Beide Theorien stehen nebeneinander, keiner weiß es ganz genau. Mich tröstet das wenig.

Was mich das Gefühl wirklich spüren lässt: meine Kinder. Die werden gerade schneller größer, als ich gucken kann. Und dann ist da diese Rechnung, die im Netz kursiert — dass man mit 18 Jahren des Kindes angeblich schon 95 Prozent der gemeinsamen Zeit verbraucht hat, die man je mit ihm haben wird. Ich sage dazu gleich: das ist keine Studie, das ist ein viraler Post, die Zahlen schwanken je nach Quelle zwischen 75 und 95 Prozent. Aber der Kern dahinter stimmt, das ist belegt: die gemeinsame Zeit mit den Kindern nimmt mit deren Alter messbar ab. Und ob es jetzt 75 oder 95 Prozent sind — es ist so oder so verdammt wenig Zeit, die bleibt.

Und wenn ich dann ehrlich bin: wie viel von genau dieser kostbaren Zeit geht drauf, weil ich abends noch schnell eine Sache am Code weiterbasteln will, weil es gerade so gut läuft und der nächste kleine Erfolg nur einen Prompt entfernt scheint? Das macht was mit einem. Schnelle Erfolge schütten Dopamin aus, das ist bei jeder Art von Belohnung so, ob Glücksspiel oder eben Programmieren am Abend. Man merkt kaum, wie die Zeit vergeht, weil man im Tunnel ist. Nur dass die Zeit, die da verschwindet, nicht irgendeine Zeit ist. Es ist die mit den Kindern.

Es gibt eine Studie, die zeigt: Wer besser mit seinen Gefühlen umgehen kann, fühlt sich entspannter, weniger gestresst — und für den vergeht die Zeit auch etwas langsamer. Ein Zusammenhang, kein Beweis, dass bewusstes Aufmerksamsein automatisch hilft. Aber es passt zu dem, was ich selbst merke: an den Tagen, an denen ich wirklich da bin, wach, neugierig, ohne nebenbei das Handy oder den Laptop — an denen fühlt sich der Tag länger an. Und am Ende bleibt mehr davon hängen.

Ich werde den Oktober nicht aufhalten. Aber vielleicht ein bisschen öfter den Laptop zuklappen, bevor ich merke, dass schon wieder ein Abend weg ist.

Zuerst erschienen auf LinkedIn → zum Original

Recherchiert und im Entwurf mit KI-Unterstützung erstellt, vor der Veröffentlichung von Martin Reichle geprüft und freigegeben. Näheres

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