Mein Haus, mein Strom, meine Autarkie

Strom verschenken, teuer zurückkaufen? Genau das mache ich gerade, Jahr für Jahr.
Ich habe vor zwei Jahren nochmal neu gebaut und damals versucht, mein Haus wirklich zukunftsfähig aufzustellen. Gasanschluss gibt's bei mir nicht mehr. Nur Elektroautos, eine Wärmepumpe, eine 25-kW-PV-Anlage auf dem Dach und ein kleiner Speicher im Haus. Ab Dezember dürfen meine zwei E-Autos sogar bidirektional laden. Alles läuft mit Strom, heizen, tanken, kochen.
Von März bis Oktober produziere ich Strom im Überfluss. Letztes Jahr habe ich knapp 18.000 kWh ins Netz eingespeist, weil ich mehr erzeugt habe, als ich selbst verbrauchen konnte. Für diesen Überschuss bekomme ich die Einspeisevergütung, und ja, unterm Strich bin ich damit fast kostenneutral übers Jahr. Fast.
Denn dann kommt der Winter. Wir sind hier in einer schneereichen Region, und von November bis Februar bin ich auf Netzstrom angewiesen. Also habe ich mir ein eigenes kleines Energiemanagement gebaut, das den Börsenstrompreis mit einbezieht: Strom kaufen, wenn er günstig ist, ihn speichern, im Haus und im Auto, und genau dann wieder rausholen, wenn er teuer ist. Ein bisschen Tüftelei, aber es funktioniert.
Was mich dabei nachdenklich macht: Im Sommer verschenke ich meinen Überschuss praktisch an das Netz. Im Winter kaufe ich teilweise teuer zurück, was vielleicht irgendwo anders gerade im Überfluss produziert wird. Das ist kein Vorwurf an mein System, das ist ein Luxusproblem, das sich viele nicht leisten können. Aber es zeigt ein größeres Problem.
Ich weiß, dass eine PV-Anlage mit Speicher und zwei E-Autos in der Garage nicht jedem zur Verfügung steht. Aber ich würde mir wünschen, dass wir in Deutschland dynamischere Lösungen schaffen, um genau diesen Überfluss an Strom zu speichern und dorthin zu bringen, wo er gebraucht wird. Aus meiner Sicht wurde das jahrelang verpennt. Nachhaltige Erzeugung und Speicherung wurden abgewürgt, während man aus mir nicht ganz erklärlichen Gründen auf fossile Brennstoffe gesetzt hat. Dabei könnte das alles so einfach und so günstig sein, wenn man es ordentlich angeht.
Ich bin kein Energiepolitiker, nur einer, der jeden Winter an seinem eigenen kleinen System sitzt und sich fragt, warum das im Großen nicht längst genauso selbstverständlich läuft wie bei mir zu Hause.
Zuerst erschienen auf LinkedIn → zum Original
Recherchiert und im Entwurf mit KI-Unterstützung erstellt, vor der Veröffentlichung von Martin Reichle geprüft und freigegeben. Näheres
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